Erinnern Sie sich noch an „Pokémon Go“? Als sich Jugendliche zu großen Trauben an öffentlichen Plätzen versammelten, um Pikachu einzufangen? Der Hype verpuffte schnell. Doch das Spiel zeigte die vielfältigen Möglichkeiten, wie Augmented Reality (dt. erweiterte Realität) eingesetzt werden kann – auch im Projektmanagement.

Mit Augmented Reality (AR) wird eine computergestützte Wahrnehmung geschaffen, die reale und virtuelle Welt vermischt. Über die gerade betrachtete reale Welt werden in Echtzeit Textinformationen und Grafiken eingeblendet – die visuelle Wahrnehmung wird somit erweitert. Es kommt zu einer Technik-Mensch-Interaktion, die das Sichtfeld des Betrachters mit generierten virtuellen Projektionen anzeigt.

Augmented Reality entwickelte sich bereits in den 1960er-Jahren an der Harvard Universität. AR entstammt einem Bedürfnis aus der Arbeitswelt. Die Realität soll mit nützlichen Informationen erweitert werden, um Effizienz und Geschwindigkeit zu erhöhen. Durch den Zugriff auf entscheidende Informationen direkt an Ort und Stelle kann die Produktivität gesteigert werden. Einzelne Mitarbeiter mit unterschiedlichem Wissensstand können komplexe Arbeitsabläufe selbstständig durchführen. Denn Produkt- und Prozessinformationen lassen sich direkt am Objekt einsetzen.

Mit Augmented Reality an konkreten Objekten arbeiten

Stellen Sie sich ein Projektteam aus Ingenieuren vor, das an einem Motor arbeitet. Jedes Teammitglied setzt sich seine Datenbrille auf und der Motor lässt sich mit all seinen haptischen Eigenschaften virtuell nachbilden. Dadurch sind alle Projektmitarbeiter in der Lage, Prozess-, Mess- und Simulationsdaten direkt an diesem Motor unter realen Bedingungen zu testen. Die visuelle Wahrnehmung kann in Echtzeit ständig verändert werden. Probleme werden schneller erkannt und behoben, weil Lösungsansätze direkt am virtuellen Objekt anwendbar sind.

Im Bereich von logistischen Projekten ist AR ein Effizienztreiber. Mitarbeiter müssen oftmals unnütze Wege zurücklegen, da sie bei Routen durchs Lager der Materialliste folgen und dann dennoch nicht das Richtige finden. Datenbrillen, die Informationen des Lagers direkt anzeigen führen dazu, dass Arbeiter sich schneller orientieren und die Fehlerquote somit sinkt.

Derzeit gibt es mehrere Ansätze und Prototypen der großen US-Technologiekonzerne die Möglichkeiten von AR auch im alltäglichen Einsatz anzuwenden. Das könnte die Zusammenarbeit eines Teams im Projektmanagement spürbar erleichtern. Daten müssen nicht mühsam transferiert werden, sondern alle können gleichzeitig mit denselben Daten an einem Objekt oder an einem Projekt arbeiten und sich in Echtzeit austauschen, unabhängig von Ort und Zeit. Arbeiten können verteilt stattfinden und neue Mitarbeiter müssen nicht zwingend zur Einarbeitung im Unternehmen erscheinen.

Bei Projekten im Bereich der Architektur besteht die Möglichkeit, Gebäude als Hologramme zu projizieren. Ein Projektmitglied kann daran direkt sichtbare Änderungen vornehmen und zum Beispiel einen neuen Raum hinzufügen. Ein großer Geschwindigkeitsvorteil, da er im Anschluss nicht erst eine neue Modellierung vornehmen bzw. am Computer erstellen und an das Team versenden muss. Alle im Projekt sehen die Auswirkungen auf das Gebäude direkt –  ähnlich wie bei den Ingenieuren, die den Motor konzipieren.

Effizientes und schnelles Projektmanagement

Das Projektmanagement erlebt durch AR eine Beschleunigung bestimmter Arbeitsschritte und kann Fehler in Echtzeit beheben. Der Datenaustausch zwischen einzelnen Experten wird schneller. Augmented Reality ist deshalb in der Lage, auch komplexe Systeme und Abläufe virtuell bereitzustellen und Auswirkungen neuer Daten und Erkenntnisse auf das Objekt zu testen, bevor ein Prototyp real entsteht.

All diese Ideen und Vorschläge klingen in der Theorie vielversprechend, sind jedoch für den alltäglichen Gebrauch im Büro noch nicht vollends ausgereift. Egal, ob die Google Glass, Detectron von Facebook oder die HoloLens von Microsoft. Viele Anwendungen sind für die breite Masse noch zu teuer und können oftmals nur von großen Konzernen gestemmt werden. Viele Projektpartner haben noch keinen Zugriff auf AR. Es fehlen serienreife Geräte, die jeder selbstverständlich wie ein Laptop auf seinem Schreibtisch hat. Die Technologie ist noch nicht so ausgereift, als dass sie praxis- und alltagstauglich wäre.

Jedoch ist das Potential für die tägliche Nutzung zweifelsfrei vorhanden und Augmented Reality eine der vielen Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet, um das Projektmanagement langfristig erheblich zu vereinfachen. Also behalten Sie als Projektleiter die Entwicklung im Auge, damit Sie frühzeitig AR nutzen und Ihre Projekte noch erfolgreicher machen können. Prüfen Sie dabei immer, wie Sie diese neuen Möglichkeiten sinnvoll im Einzelfall einsetzen können.