Gastbeitrag. In Deutschland sind viele Führungspositionen noch immer männlich dominiert, wobei der Anteil von Frauen gerade mal bei rund sechs Prozent liegt. Diese Unterrepräsentanz spiegelt sich auch im Projektmanagement deutlich wider – auch hier sind Frauen in Führungspositionen in der klaren Minderheit. Zwar ist die Frauenquote im Projektmanagement in den letzten Jahren von 13 auf 21 Prozent angestiegen, aber weniger als ein Drittel der Frauen im Projektmanagement finden, dass sie gleich behandelt werden wie Männer.

YoungCapital, der E-Recruitingspezialist für Studenten, Absolventen und Young Professionals, findet, dass sich das ändern sollte. Einer der Gründer des Unternehmens, Hugo de Koning, sagt: “Mit einer Mehrheit an Frauen an der Spitze unseres Unternehmens sind wir zwei Jahre in Folge um 60 Prozent gewachsen. Das zeigt was für ein Potential Frauen in Führungspositionen haben können.” Ist es also an der Zeit Frauen auch mehr in die Projektführung einzubinden?

Andere Herangehensweisen: Frauen in Führungspositionen sorgen für ein besseres Arbeitsklima im Projekt.

Führungsqualitäten entscheiden

“Als Gründer achten wir natürlich darauf, was unserem Unternehmen hilft zu wachsen und erfolgreich zu sein. Die meisten Männer in Top-Positionen haben jedoch ein anderes Interesse, und zwar die eigene Karriere. Frauen hingegen schauen über ihr eigenes Ego hinaus”, sagt de Koning. Besonders in Projekten ist diese Eigenschaft von großer Bedeutung, da es nicht um den Einzelnen, sondern um die Arbeit im Team geht. Wenn Frauen ein Projekt leiten, kann man sicher sein, dass sie nicht den eigenen Erfolg an erste Stelle setzen, sondern den Erfolg des Projekts.

Die Tatsache, dass der Großteil der Mitarbeiter bei YoungCapital weiblich ist, war laut de Koning keine bewusste Entscheidung, sondern eine Folge des natürlichen Wachstums. Denn Frauen arbeiten im Vergleich zu Männern nachweislich öfter an Projekten, die strategische Bedeutung für das Unternehmen haben (GPM, 2014).

Mehr Femininität für eine gesunde Mischung

Auch Karin van der Gragt, Managing Director für YoungCapital Deutschland, ist der Meinung, dass die weibliche Fürsorge und Rücksichtnahme von Frauen enorm zu einem gesunden Arbeitsklima und Erfolgen von Projekten beitragen. Frauen verfolgen ihre eigenen Interessen weniger als Männer und priorisieren das Wohlsein des Projekts. Nicole Haupt, Projektmanagerin bei YoungCapital, sagt, “Mein Motto ist: Schritt für Schritt. Dafür setze ich mir jeden Tag neue Prioritäten.”

Es geht also nicht darum, dass der Frauenanteil im Projekt überwiegen soll, sondern dass Frauen die bestehende maskuline Kultur durchbrechen und ihren eigenen Platz einnehmen. Van der Gragt denkt, dass eine Mischung aus Männern und Frauen zu dem Erfolg von YoungCapital beiträgt: “Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin bringt eigene professionellen Fähigkeiten und Eigenschaften mit. Diese Mischung aus verschiedenen Charakteren führt zu einem hilfsbereiten und effektiven Team.”

Frauenquote – ja oder nein?

Frauen sorgen für Harmonie und ein gesundes Gleichgewicht im Unternehmen und im Projekt. Mit geeigneten Führungsqualitäten tragen sie gemeinsam mit ihren männlichen Kollegen zu Erfolgen bei. “Die Frauenquote sollte Unternehmen jedoch nicht dazu veranlassen, Frauen solche Positionen aufzuzwingen, wenn ihre Fähigkeiten vielleicht nicht dafür geeignet sind”, betont van der Gragt.

Deshalb sollte diese Entscheidung aus eigener Überzeugung der Frauen erfolgen, sonst kann die Übereinstimmung von persönlichen Qualitäten mit der DNA eines Projektes nicht gewährleistet werden. Aus diesem Grund ist es auch wichtig, dass die Entscheidung für die richtige Besetzung einer Führungsposition stets im Interesse des Projekts ist. Van der Gragt ist daher der Meinung, dass Frauen selbst entscheiden sollten, ob sie eine Führungsposition besetzen wollen – Frauenquote hin oder her.